Erdgas-Autos sind in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung immer noch verpönt. Oder sagen wir einfach, noch nicht angekommen. Dabei ist diese Antriebsart gegenüber herkömmlichen Verbrennern der Gattung Benziner und Diesel deutlich umweltfreundlicher. Volkswagen hat im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Unternehmen eine Initiative für Erdgas gegründet und wir haben in diesem Zusammenhang den neuen VW Polo TGI getestet.

Der Polo als solches

Viele Zeilen verwenden wir in diesem Artikel nicht über den Polo. Denn wir haben den neuen Kleinwagen bereits in zwei Varianten getestet. Einmal den Volkswagen Polo TSI und zudem den VW Polo GTI als stärksten Vertreter seiner Baureihe. So bleibt nur wenig, was für über den VW Polo TGI als solches erzählen können, was wir nicht schon beschrieben hätten.

Eines bleibt aber dennoch: Anstatt 351 bringt der TGI nur 251 Liter an Ladevolumen mit. Schließlich benötigen die beiden Gasflaschen mit insgesamt 11,6 kg Inhalt auch ein bisschen Platz.

Der VW Polo TGI wird in den Ausstattungslinien Comfortline für 19.800 und Highline für 20.600 Euro jeweils mit vier Türen angeboten. Geschalten wird mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe. Gegenüber seinem Benziner-Pedant ist er um 2.600 Euro teurer. Mit einer Preisdifferenz von nur 325 Euro zu Gunsten des TDI mit 95 PS ist der Abstand Diesel – Erdgas deutlich geringer.

Bei einer durchgängigen Nutzung von Erdgas rentiert sich laut aktuellen Berechnungen des ADAC der VW Polo TGI gegenüber seinen beiden herkömmlich angetriebenen Geschwistern bereits ab einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern.

Umwelt und Erdgas

Bis zu 35 Prozent weniger CO2 als Benziner und Diesel. Stickoxyd- und Feinstaub-Emissionen deutlich geringer und dazu noch die Möglichkeit, den Treibstoff als Biogas oder Methangas zu tanken, das aus regenerativen Energiequellen wie Solar oder Windkraft gewonnen wurde.

Freut sich die Umwelt, so freut sich auch der Geldbeutel. Rund 5 Euro kosten 100 Kilometer Wegstrecke mit einem Erdgasauto und die Kfz-Steuer ist zudem um rund 50 Prozent niedriger als bei einem Benziner oder Diesel.

Das Fahrverhalten des VW Polo TGI

Eines vorneweg. Der mit 70 kW (95 PS) starken Polo TSI ist zwar 80 kg leichter als der VW Polo TGI mit 66 kW (90 PS), vermittelt dennoch ähnlichen Fahrspaß. 11,9 Sekunden dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 183 km/h. Die überschritt unser Testwagen bei Testfahrten auf der Autobahn locker in Richtung 200 km/h. Und fühlte sich dabei von der Lautstärke im Innenraum ähnlich an wie ein VW Passat.

Wie sich der VW Polo TGI insgesamt anfühlt, als wäre er mindestens eine Klasse höher angesiedelt. Neben der Laufruhe sind es das komfortabel und gleichzeitig straff abgestimmte Fahrwerk, die gesamte Anmutung und die hohe Verarbeitungsqualität.

Wir sind mit dem TGI mit beiden Treibstoffen unterwegs gewesen. Nachdem der Erdgas-Tank leer war, ging es mit Super-Benzin weiter. Der 999 cm² kleine Dreizylinder-Turbo ist bivalent ausgelegt. Das heißt, er kann beide Kraftstoffe verbrennen. Das schafft erstens eine für einen Kleinwagen sagenhafte Reichweite von mehr als 900 Kilometern und zweitens eine hohe Sicherheit.

Denn nichts scheint mehr Angst zu machen, als mit einem Automobil liegenzubleiben, weil der Tank leer ist oder, im Falle eines Elektroautos, die Batterie leer ist. Wenn wir schon beim Tank sind, kommen wir gleich zum Tankvorgang. Der ähnlich einfach ist wie einen Tankrüssel in die dafür vorgesehene Öffnung zu stecken. Hat man entweder über eine App oder das in unserem Testwagen verbaute Navigationssystem einer der über 900 Erdgas-Tankstellen gefunden, heißt es nur, den Tankdeckel zu öffnen, den Einfüllstutzen aufzusetzen und den Füllvorgang zu starten.

Der gesamte Vorgang ist in Windeseile geschehen und kostet, was wundert es einen bei einem 11,6 kg großen Tank, um die 13 Euro. Mit denen man rund 250 bis 260 Kilometer weit kommt. Ähnlich sparsam ging der VW Polo TGI auch mit dem Benzin um. Etwa 5 Liter flossen auf 100 Kilometern durch die Einspritzdüsen. Dennoch fordern wir auf, immer Erdgas zu tanken. Erstens ist es aus genannten Gründen besser für die Umwelt und zweitens ebenso für den Geldbeutel.

Fazit

Ja, Erdgas-Autos sind echt cool geworden. Während sich die ganze Welt mit Elektroautos beschäftigt und dabei immer wieder an die Grenzen und Probleme der Reichweite, der Batteriekapazitäten, der Verfügbarkeit dieser Fahrzeuge und der zu wenigen Ladestationen stößt, ist der Erdgas-Antrieb tatsächlich umweltfreundlich und problemlos verfügbar.

Neben dem VW Polo TGI werden von Volkswagen zudem der up!, der Golf und der Caddy als Erdgas-Autos angeboten. Im VW-Konzern sind auch Audi, Seat und Skoda auf den Erdgas-Zug aufgesprungen. In unserem Artikel „Erdgas statt Diesel“ sind auch weitere Hersteller mit ihren aktuellen Modellen zu finden. So gibt es keine Ausreden mehr, sich beim nächsten Autokauf nicht mit einem Erdgas-Auto zu beschäftigen.

 

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Volkswagen Polo 1.0 TGI Highline

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 3-Zylinder-Benziner Erdgasantrieb

Getriebe: Fünfgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 999

Leistung in kW (PS) bei U/min: 66 (9o)/4.000 – 5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 160/1.800 bis 3.800

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 11,9

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 183

Tankinhalt: 40 l

Tankinhalt Erdgas: 11,6 kg

Kraftstoffverbrauch Benzin Kombinierter Verkehr: 6,2 l auf 100 km

Kraftstoffverbrauch Erdgas Kombinierter Verkehr: 3,2 kg auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km: 112

CO2-Emission kombiniert Erdgas in g/km: 87

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.053/1.751/1.446

Radstand in mm: 2.551

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.260

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.670

Kofferrauminhalt in l: 251 – 1.025

Bereifung: 185/65 R 15

Felgen: 5,5 x 15″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 20.600

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)