Marder-Revierkampf unter der Motorhaube: So possierlich die kleinen Nager aussehen, so groß kann ihre Zerstörungswut sein. Was hilft gegen Marder?

Die Hinterlassenschaften von Zirkuslöwen als Wundermittel gegen Marder? Als der Circus Krone in München im Sommer mit dem Verkauf von Löwendung (5 Euro für ein Glas mit den stark riechenden Exkrementen) startete, war Zirkuschef und Löwendompteur Martin Lacey überrascht von der großen Nachfrage. Denn für viele Autobesitzer sind Marder ein ernstes Problem.

Allein im Jahr 2017 regulierten die deutschen Autoversicherer Schäden in Höhe von 72 Millionen Euro. Die Pannenhelfer des  ADAC rücken mehr als 10.000 mal im Jahr aus, weil Autofahrer nach Marder-Aktivitäten technische Hilfe brauchen.

Zerbissene Kabel, erhebliche Folgeschäden

Schmutzige Pfotenabdrücke auf Autodach und Motorhaube, möglicherweise auch noch andere Hinterlassenschaften. Autofahrer, die solch verdächtige Spuren auf ihrem Fahrzeug finden, sollten einen längeren Blick unter die Motorhaube werfen. Denn es spricht vieles dafür, dass sich ein Haus- oder Steinmarder auf dem Auto ausgetobt und dabei den Motorraum zu seinem Revier erkoren hat.

Das muss noch nicht schlimm sein, wenn sich das kleine Raubtier bei einem spät geparkten Auto den Platz auf oder unter der Haube zum Aufwärmen gesucht hat.

Gefahr für den Geldbeutel droht dann, wenn zuvor schon ein anderer Marder diesen Raum als sein Revier markiert hat, was bei jedem Besuch passiert. Um alle Spuren des vermeintlichen Revierkonkurrenten zu tilgen, vergreift sich der Marder mit seinen spitzen Zähnen an allem, dem der Geruch anhaftet – bevorzugt sind das Isoliermatten, Kabel, Kunststoffleitungen und Gummimanschetten. Erwischt es die Zündkabel, zeigen sich in Form eines stotternden oder gar nicht mehr anspringenden Motors schnell die Folgen. Solange es dabei keine teuren Steuergeräte erwischt, ist der Schaden noch überschaubar. Wehe aber, durch Kurzschlüsse gibt es Schäden an der Elektronik. Teuer können auch angefressene Manschetten an Antriebswellen oder Lenkung werden. Dringen hier Schmutz, Wasser und Streusalz ein, belaufen sich die Reparaturkosten schnell auf mehrere tausend Euro. 

Zahlt die Versicherung auch für Folgeschäden?

Beim Punkt Folgeschäden erweist sich dann auch, wie gut die Teilkaskoversicherung gegen Marderbiss wirklich ist. Denn in vielen Fällen sind nur die direkten Schäden, die der Marder verursacht, von der Autoversicherung abgedeckt. Sprich: das durchgebissene Kabel wird ersetzt, das in Folge beschädigte Steuergerät nicht. Beliebt bei Mardern sind auch zum Beispiel Gummidichtungen im Bereich von Dach, Heckklappe oder Dachreling. Reißt der Marder die Dichtungen teilweise heraus, so dass beim Öffnen der Heckklappe Metall auf Metall reibt, gibt es für den Lack- oder gar Karosserieschaden kein Geld von der Assekuranz.

Hausmittel gegen Marder

Eine gründliche Motorwäsche kann helfen, weitere Revier-Gemetzel zu unterbinden. Das vor allem dann, wenn das Auto zukünftig nur an einem Stellplatz mit Marderaufkommen steht. Wer jedoch sowohl an der eigenen Wohnung als auch am Arbeitsplatz von – zwei verschiedenen – Mardern heimgesucht wird, dem wird die Motorwäsche nicht viel helfen.

Einen Versuch wert sind bekannte Hausmittel. Darunter zählen (neben Löwendung) Hundehaare, WC-Steine oder Mottenkugeln. Die riechen unangenehm und sollen damit dem Marder das Zweitwohnzimmer unter der Motorhaube vergällen. In eine ähnliche Richtung zielen spezielle Sprays. Allerdings helfen dieses Mitteln oft nur kurzfristig.

Viele Autofahrer schwören auf Matten aus Kaninchendraht, die sie nachts unter den Motorraum legen, um dem Marder den Einstieg zu vergällen. Wer sich das nicht selber basteln möchte, kann solche Matten auch online kaufen. Am nachhaltigsten wirken Geräte, die mit Ultraschall oder kleinen Stromschlägen die Tiere abschrecken. Für Ultraschallgeräte muss man im Onlinehandel mit Anschaffungskosten zwischen rund 25 und 100 Euro rechnen, wer auf Hochspannungsschutz setzt, sollte mit bis zu 200 Euro plus Einbau kalkulieren.

 

Foto: Templermeister/pixelio.de

Klaus Justen
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