Sowohl als auch muss die Devise sein, wenn über die Mobilität der Zukunft entschieden wird.

Allein die Elektromobilität, wie von einem Großteil der Politik gefordert, wird nicht das Allheilmittel sein. Wir benötigen weiterhin die Vielfalt für jeden Einzelnen und für alle Verkehrsmittel. Dazu gehören die konventionellen Kraftstoffe und in verstärktem Maße CNG und die Brennstoffzelle. Mit letztgenannter haben wir auf einem Roadtrip mit dem Toyota Mirai, der uns Anfang Mai von Köln nach Hamburg führte, einmal mehr nähere Bekanntschaft gemacht.

Die Technik des Toyota Mirai

Die Energiegewinnung für den Toyota Mirai erfolgt mit einer Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird. Klingt einfach und ist es auch. Betankt wird der Mirai mit Wasserstoff, der Stand Mai 2019 an 64 Tankstellen in Deutschland zu bekommen ist. Die chemische Reaktion von diesem Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt den Strom, mit der Elektromotor des Fahrzeugs angetrieben wird.

Einzig Wasserdampf verlässt den Auspuff. Schadstoffe wie Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Stickoxide sind nicht dabei. Klingt extrem sauber und ist es auch. Aber nur dann, wenn der Wasserstoff umweltfreundlich hergestellt und auch transportiert wird. Aber dazu später in dieser Geschichte.

Fahrvergnügen mit dem Toyota Mirai

Toyota ist für außergewöhnliches Design bekannt und in manchen Fällen auch berüchtigt. Das gilt zweifelsohne auch für den Mirai, einer viertürigen Limousine mit ausdrucksstarker Optik.

Die mit einer Leistung von 113 kW (154 PS) und einem Drehmoment von 335 Nm eine ordentliche Fahrleistung bringt. Von 0 auf 100 km/h benötigt der knapp 1,9 Tonnen schwere Toyota Mirai 9,6 Sekunden und in der Spitze läuft er 178 km/h.

Mit einer Tankkapazität von 5 Kilogramm Wasserstoff und dem von uns auf der rund 450 Kilometer langen Strecke von Köln nach Hamburg erzielten Durchschnittsverbrauch von 1,3 Kilogramm auf 100 Kilometer, beträgt die Reichweite rund 350 Kilometer.

Es geht aber auch deutlich sparsamer. Während wir auf der fast ausschließlich aus Autobahnen bestehenden Strecke immer wieder in Richtung Höchstgeschwindigkeit unterwegs waren, spielt der Toyota Mirai in urbanen Gebieten und auch auf Landstraßen die Vorteile der Rekuperation aus. Dann sinkt der Verbrauch deutlich unter 1 Kilogramm.

Der Toyota Mirai wird im Moment noch für eine monatliche Leasingrate von rund 500 Euro angeboten. 2020 steht der Nachfolger in den Startlöchern. Von diesem Modell sollen jährlich 30.000 anstatt der 3.000 für das jetzige produziert werden. Toyota gab zwar noch keine Zahlen bekannt, versprach für das neue Modell bereits jetzt einen deutlich niedrigeren Preis.

Umweltfreundliche Herstellung von Wasserstoff

Die Wasserstoffherstellung direkt am Verkaufsstandort ist die umweltfreundlichste Lösung. Die Elektrolyse also dort stattfinden zu lassen, wo die Fahrzeuge betankt werden. Das kann mit Solar- oder Windenergie erfolgen. Auch Biomasse und Biogase könnten direkt an den Tankstellen durch eine Dampfreformierung in Wasserstoff verwandelt werden.

Aber auch Power-to-Gas-Anlagen erzeugen Wasserstoff aus überschüssiger Energie. Der so erzeugte Wasserstoff wird unter hohem Druck oder in flüssiger Form gespeichert. Diese Art der Herstellung löst ein weiteres Problem dieser Anlagen. Denn oftmals wird Energie produziert, die wegen Überkapazitäten nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann.

Wenig sinnvoll ist definitiv die industrielle Herstellung von Wasserstoff aus fossilen Rohstoffen mit extrem hohem Energieverbrauch. Damit führt man die umweltfreundliche Mobilität ad absurdum, weil dieser Wasserstoff zudem in speziellen Tanklastzügen transportiert werden muss.

Ein Beispiel für die umweltfreundliche Herstellung von Wasserstoff ist die Flüssigmetalltechnologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). „Wir nutzen die Flüssigmetalltechnologie, um das Methan in gasförmigen Wasserstoff und festen, elementaren Kohlenstoff zu trennen“, sagt Professor Thomas Wetzel vom Institut für Thermische Verfahrenstechnik des KIT.

Zukunftsaussichten Wasserstoff und Brennstoffzelle

In einem Workshop in Hamburg standen Ferry M. Franz von Toyota Deutschland, Sybille Riepe, Pressesprecherin H2 Mobility, Paul Karzel von Shell und Heinrich Klingenberg, Geschäftsführer von hy Solutions Rede und Antwort.

Ferry M. Franz erläuterte die Wasserstoff-Strategie seines Unternehmens mit einem klaren Bekenntnis zu dieser Technik. Neben dem neuen Mirai, der 2020 auf den Markt kommt, wird Toyota zur Olympiade eine Flotte von mehr als 100 Brennstoffzellenbussen im Großraum Tokio einsetzen.

Zudem werden Lkw und auch Gabelstabler, diese vornehmlich in den eigenen Werken, entwickelt und in Kürze eingesetzt werden. Eine weitere Serienproduktion von Wasserstoff-Bussen mit der Brennstoffzellen-Technik von Toyota startet 2020 bei Caetanobus in Portugal. Das Unternehmen ist mit der Marke Cobus einer der weltweit größten Anbieter für Flughafen-Busse.

Heinrich Klingenberg wies darauf hin, dass die Ausrichtung auf die Elektromobilität in China bei weitem nicht so einseitig ist, wie beispielsweise in Deutschland und der EU. China habe sich längst der Brennstoffzellen-Technologie zugewandt und wird diese in großem Umfang zum Einsatz bringen. Zeit also für ein zügiges Umdenken der deutschen Automobilindustrie hin zu Fuel Cell.

Paul Karzel erwähnte den zügigen Ausbau der Wasserstoffproduktion der bundesweit größten Raffinerie in Wesseling bei Köln. Ein besonderes Anliegen von Sybille Riepe war die Nutzung der Windenenergie. Nach Untersuchungen der Aktion Windretter gingen 2017 durch abgestellte Windkraftanlagen 5,5 Terrawattstunden saubere Energie verloren.

Mit dieser unglaublich hohen Menge hätten 1.044.000 Toyota Mirai in einem Jahr durchschnittlich 13.300 Kilometer bewegt werden können. Dies entspricht einer Gesamtfahrstrecke von sagenhaften 13.900.000.000 Kilometern!

Fazit

Weltweit wurden bis dato 7.200 Toyota Mirai verkauft. Die geringe Zahl begründet sich zum einem auf den hohen Preis und zum anderen auf die auf jährlich 3.000 Einheiten begrenzte Produktion. Die Verkaufszahlen können sich bereits im kommenden Jahr ändern, wenn der neue und preiswertere Nachfolger auf den Markt kommt. Für eine weitere Belebung des Interesses an Fahrzeugen mit Brennstoffzelle sorgt seit Sommer 2018 auch der bereits von uns gefahrene Hyundai Nexo.

Zweifelsohne ist noch viel an Forschung und Entwicklung zu investieren. Der 2017 in Davos gegründete Hydrogen Council, der aus aktuell 53 Mitgliedern aus der Industrie und Forschungsinstituten besteht, steckt jährlich fast 3 Milliarden Euro in die Fuel Cell Technologie. Bleibt zu hoffen, dass auch die Politik die Chancen dieser Technologie erkennt und die einseitige Ausrichtung auf die Elektromobilität überdenkt.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Toyota Mirai

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Elektromotor

Getriebe: 1-stufiges Reduktionsgetriebe

Leistung in kW (PS): 113 (154)

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 335/0

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 9,6

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 178

Wasserstoffvorrat in kg: 5 bei 700 bar

Wasserstoffverbrauch kombiniert in kg/100 km: 0,76

CO2-Emission kombiniert in g/km: 0

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.890/1.815/1.535

Radstand in mm: 2.780

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.850

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.180

Kofferrauminhalt in l: 361

Bereifung: 215/55 R17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 78.600 Euro

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka