Ein Unwetter mit Blitz, Sturm und Hagel, und schon belaufen sich die Schäden am Auto auf tausende Euro. Ganz zu schweigen von Hochwasser, das leicht den Totalschaden zur Folge haben kann. Gut, wenn die Autoversicherung zahlt.

Das Sturmtief Sabine  ist einmal quer durch Deutschland gezogen mit Windgeschwindigkeiten weit jenseits 100-km/h-Marke.  Wetterexperten wie Jörg Kachelmann hatten seit Tagen über den Wintersturm informiert.  In etlichen Bundesländern fiel die Schule aus, die Bahn stellte zeitweise den Betrieb ein. Bilder mit umgestürzten Bäumen und beschädigten Autos füllen die Sozialen Netzwerke. Wer kommt für den Schaden auf?

Die gute Nachricht: Die Autoversicherung zahlt in den meisten Fällen, aber nicht immer.

Wichtig zu wissen bei Unwetterschäden: Für die Reparaturkosten tritt die Teilkaskoversicherung ein. Die haben die meisten Autofahrer. Und was ebenfalls positiv ist: Die Selbstbeteiligung beträgt meist nur 150 Euro. Überdies gibt es in der Teilkasko keinen Schadenfreiheitsrabatt. Also erfolgt nach der Regulierung auch keine Rückstufung in der Rabattstufe. Der Autofahrer bleibt in seiner alten Schadensfreiheitsklasse. Gut für die nächste Versicherungsrechnung.

Wann zahlt die Teilkaskoversicherung aber, und wann nicht?

Ab Windstärke 8 ist der Sturm ein Sturm

Gegen Sturmschäden sind die meisten Autofahrer abgesichert. Vorausgesetzt allerdings, der Wind hat mit mindestens Stärke 8 geblasen. Dann übernimmt die Teilkasko die Kosten für Dellen und Schrammen, etwa durch herumfliegende Äste und Dachziegel. Oder auch dann, wenn der Sturm das komplette Auto verweht und auf die Seite gelegt hat.

Eingeschlossen in den Versicherungsschutz sind sowohl Schäden am parkenden Fahrzeug als auch Kollisionen mit unmittelbar vor das Fahrzeug stürzenden Bäumen oder Ästen.

Der Teufel steckt aber im Detail: Kollidiert der Autofahrer mit einem bereits längere Zeit auf der Straße liegenden Baumstamm, so ist dies keine Sache der Teilkaskopolice mehr. Dann hilft nur noch eine Vollkaskoversicherung. Auch wenn sich der Fahrer während des Unwetters erschrickt und von der Straße abkommt, kann er nicht auf Geld von der Teilkasko hoffen. Solche Folgen übernimmt nur die Vollkasko.

Schwierig wird es für Autobesitzer, deren Fahrzeug überhaupt keine Kaskopolice hat. Sie müssten nachweisen, dass eine Gemeinde, ein Gartenbesitzer oder ein Straßenbetreiber sich nicht ausreichend um die Sicherheit von Bäumen und kommunalen Flächen gekümmert hat. Wenn eine solche Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorliegt, kann man auf Schadensersatz hoffen.

Hagelschaden: Schnell bei der Autoversicherung melden

Wenn Blitz und Hagel einschlagen: Autofahrer erhalten ihren Schaden durch die Teilkasko ersetzt. Zerbrochene Scheiben werden ausgetauscht, Dellen im Blech und Schäden am Lack können inzwischen durch neue Reparaturmethoden kostengünstig behoben werden.

Aber Achtung: Der Schaden sollte schnellstmöglich der Versicherung gemeldet werden. Die meisten Versicherungsbedingungen sehen dafür eine Woche vor. Nach einem kräftigen Hagelschauer sollte man also einmal gründlich nachschauen, ob das Auto Schaden genommen hat.

Kommt das Wasser zum Auto, zahlt die Autoversicherung

Wie ist die Versicherungslage bei Hochwasser? Wenn ein Gewitterguss den nächsten Fluss oder Bach über die Ufer treten lässt und das Auto in der Überschwemmung Schaden nimmt, zitieren Juristen gerne eine Faustregel: „Kommt das Wasser zum Auto, zahlt die Kaskoversicherung, kommt das Auto zum Wasser, hat man meist Pech gehabt.“

Das bedeutet: Wurde das Auto in der Tiefgarage vom Wasser überflutet oder auf der Straße von einer Sturzflut weggespült, tritt die Teilkaskoversicherung ein. Problematisch ist es aber schon, wenn der Autobesitzer sein Fahrzeug auf einem Parkplatz in der Nähe eines Hochwasser führenden Flusses abgestellt hat und trotz Warnungen stehen ließ. Dann gibt es vermutlich kein Geld.

Mit dem Auto in die überflutete Unterführung: Schaden Privatsache

Ganz schlecht sind die Karten, wenn man mit seinem Auto in eine überflutete Unterführung oder Straßensenke fährt. Das ist lebensgefährlich, denn niemand kann abschätzen, wie tief das Wasser genau ist. Außerdem kann das Auto durch die Strömung weggerissen werden, zum Beispiel in einen über die Ufer getretenen Fluss.

Die Schäden am Fahrzeug gehen schnell Richtung Totalverlust. Saugt der Motor das Wasser an, kann man von einem kapitalen Motorschaden ausgehen. Eine Vielzahl von Steuergeräten stirbt durch das eindringende Wasser den Kurzschlusstod. Und auch das Interieur ist nach dachhohem Kontakt mit Wasser und vor allem stinkendem Schlamm nicht mehr zu gebrauchen. Für diese Schäden sieht der Autobesitzer keinen Cent seiner Teilkaskoversicherung.

Wie schnell man im Wasser die Kontrolle verliert, zeigt dieses Video des Wetterportals Kachelmannwetter

 

Foto: Peter Nimsch/Pixelio

Klaus Justen
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