Überraschungen sind bei einem neuen VW Golf eher selten. Die Revolution bleibt aus, die Evolution schreitet voran.

So ist auch die achte Generation des Millionensellers eindeutig und auf den ersten Blick als ein Golf zu erkennen. So soll es auch sein und bleiben. Das Interieur ist dagegen fast schon revolutionär umgekrempelt worden.

Außen und innen

Ja, so etwas gibt es heutzutage noch. Ein Auto, dass in der neuen Generation nicht wieder über sich hinausgewachsen ist. 4.284 mm streckt sich der neue Golf, 1.789 mm beträgt die Breite und die Höhe liegt bei 1.456 mm. Bevor wir Kleinkarierte auf den Plan rufen. Ja, er ist 26 Millimeter länger und 10 Millimeter breiter geworden. Dafür aber auch 36 Millimeter tiefer und genau das macht die neue und deutlich dynamischere Optik aus.

Die schmal geschnittenen und serienmäßig mit LED bestückten Frontscheinwerfer bestimmen den neuen Golf vorne ebenso wie das neue VW-Logo. Die Rückansicht besticht ebenso mit LED-Leuchten, dem neuen Logo und dem darunter befindlichen Schriftzug.

War es außen einmal mehr eine Evolution, so fand zumindest am Armaturenbrett eine kleine Revolution statt. Mit einem weiteren Schuss mehr an Ergonomie haben sich die Entwickler einmal mehr übertroffen. Die digitale Kombination des 10,25 Zoll großen Displays der Instrumentenanzeige im Blickfeld des Fahrers und der 8,25 Zoll große Touchscreen des Infotainmentsystems sind die bestimmenden Faktoren des Cockpits.

Ein Häppchen mehr an Digitalisierung schafft das optionale Innovision Cockpit, eine Kombination aus dem ebenfalls 10,25 Zoll großen Digital Cockpit und einem der zwei zur Wahl stehenden 10 Zoll großen Infotainmentsysteme.

Ebenfalls neu sind die wenigen der übrig gebliebenen Knöpfe und Schalter. So wurden die Licht- und Sichtfunktionen auf ein hoch angeordnetes Bedienfeld links neben dem Lenkrad platziert. Neben der Beleuchtung können von dort auch die Heizung der Front- und Heckscheibe angesteuert werden.

Unter der Haube

Mit acht neuen Antriebsversionen wird der VW Golf der achten Generation angeboten. Die Palette umfasst Benziner, Diesel, CNG, Mild- und Plug-in Hybride. Nach dem kompletten Anlauf liegt das Leistungsspektrum zwischen 66 kW (90 PS) und 221 kW (300 PS) für den Golf R.

Neu im Programm sind als Premieren zwei Dreizylinder-Benziner (TSI mit 66 kW (90 PS) und 81 kW (110 PS) sowie zwei Vierzylinder-Diesel (TDI mit 85 kW (115 PS) und 110 kW (150 PS). Dazu kommen drei Mild-Hybridantrieb mit 48 Volt-Technik, deren Leistung von 81 kW (110 PS) bis 110 kW (150 PS) reicht.

Dazu kommt eine neuer Plug-in mit 150 kW (204 PS) sowie der stärker gewordene GTE mit 180 kW (245 PS). Beide Plug-in Hybridantriebe werden mit einer neuen 13-kWh-Batterie angeboten, die größere elektrische Reichweiten ermöglicht. Separat folgen werden die eigenständigen Versionen Golf GTI, Golf GTD sowie die allradgetriebenen Modelle (4MOTION) inklusive des Golf R.

Die IQ-Drive Assistenzsysteme

Seit 2019 steht IQ Drive als Dachmarke für die Assistenzsysteme, die den Weg zum autonomen Fahren leiten. Serienmäßig wird der neue VW Golf mit dem Spurführungsassistenten, dem Umfeldbeobachtungssystem inklusive City-Notbremsfunktion, Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie Ausweichunterstützung und Abbiegeassistenten ausgestattet.

Optional ist die automatische Distanzregelung mit vorausschauender Geschwindigkeitsregelung. Diese reagiert automatisch auf Geschwindigkeitshinweise sowie Kurven, Kreisverkehre und Kreuzungen. Wie dieser Eingriff in der Praxis aussieht, werden wir im Fahrbericht erörtern.

Als europaweit erstes Automobil wird der neue VW Golf verkehrsrelevante Informationen über die Car2X Funktion mit anderen Fahrzeugen austauschen können. Dies erfolgt in Echtzeit innerhalb weniger Millisekunden und umfasst ein lokales Umfeld von bis zu 800 Metern.

Mit der Gefahrenwarnung kann Car2X rechtzeitig über Unfälle, Stauenden, Baustellen und Einsatzfahrzeuge informieren. Ein weiteres Feature ist das elektronische Bremslicht. Bremsen weit vor dem Golf fahrende Fahrzeuge stark ab, werden automatisch die Bremslichter der Folgefahrzeuge aktiviert, sodass deutlich früher reagiert werden kann.

Immer online im neuen VW Golf VIII

Die Vernetzung scheint für viele Mitmenschen auch im Auto essentiell. Diesem Trend begegnen die Wolfsburger mit der Welt von Volkswagen We. Für den neuen VW Golf ist das zeitlich unbegrenzte Spektrum von We Connect und das auf in Europa auf ein bis drei Jahre kostenlos nutzbare We Connect Plus vorgesehen.

In der Basisversion stehen unter anderem der Pannenruf, der Fahrzeugstatus, Fahrdaten, Parkposition und die automatische Unfallmeldung zur Verfügung.

Die Plus-Version beinhaltet beispielsweise Gebiets- und Geschwindigkeitsbenachrichtigung, die Online-Bedienungen von Standheizung und der Diebstahlwarnanlage sowie einen WLAN-Hotspot, Online-Verkehrsinformationen, Webradio und Abfahrtszeiten, Klimatisierung sowie Laden von Plug-in-Hybrid-Modellen.

Ein erstes Fazit

Unverkennbar ist auch der neue VW Golf ein Golf geblieben. Die gewonnene Dynamik des Designs spiegelt sich unter anderem in einem niedrigen cw-Wert von 0,275 wieder. Nach dem ersten optischen Eindruck und den Sitzproben freuen wir uns auf die Fahrpräsentation, die Ende November 2019 stattfinden wird und von der wir ausführlich berichten werden.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka