Auf der Werkstatt-Rechnung wimmelt es von Angaben, bei denen der Kunde genau hinschauen sollte. Bei Poblemen mit der Werkstatt helfen die 100 Schiedsstellen in Deutschland

Die meisten schauen als erstes ganz unten auf die Rechnung, wenn Sie ihr Auto von einer Inspektion abholen. Der Endpreis ist das, was am brennendsten interessiert. Dabei lohnt es sich, auch bei anderen Angaben auf der Werkstatt-Rechnung genauer hinzuschauen. Denn dort können Fehler passieren, die später Probleme machen, etwa mit dem Finanzamt. Oder es sind Ausgaben berechnen worden, die nicht bezahlt werden müssten.

Datum der Rechnung: Sollte mit dem Reparaturtermin übereinstimmen. Ab jetzt läuft die einjährige Frist, in der die Werkstatt für die Reparatur haftet.

Kilometerstand: Ganz wichtig für alle, die ihr Auto als Dienst- oder Geschäftswagen fahren und ein Fahrtenbuch führen. Zirka-Werte oder Zahlendreher können später zu Problemen mit dem Finanzamt führen, wenn Fahrtenbucheintrag und Rechnung nicht zueinander passen. 

Arbeitswerte: Meistens abgekürzt als AW, bei manchen Werkstätten auch mit ZE, das steht für Zeiteinheit. Diese Werte geben die Hersteller vor; damit ist die Zeit festgeschrieben, die ein qualifizierter Mechaniker brauchen darf, um eine bestimmte Arbeit auszuführen. 

Aufgepasst: Arbeiten, die zweimal auf der Werkstatt-Rechnung auftauchen

Wer seine Rechnung kontrollieren will, sollte darauf achten, ob Arbeiten doppelt berechnet wurden. Das kann passieren, wenn Arbeitswerte für Arbeitsschritte aufgeführt sind, die in anderen Arbeiten schon enthalten sind. Beispiel: Der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen – und beim gleichen Werkstattaufenthalt wurden auch die Bremsbeläge gewechselt. Dafür mussten die Räder sowieso ab- und wieder aufmontiert werden, also darf der Wechsel nicht mehr berechnet werden.

Braucht das Auto tatsächlich teures Synthetiköl? Wenn dieses nicht vorgeschrieben ist, sollte man mit der Werkstatt im Auftrag vereinbaren, dass ein günstigeres Öl eingefüllt wird. Oder Scheibenreiniger: Wer die Scheibenwaschanlage lieber selber auffüllt, sollte dies vor der Inspektion tun und die Werkstatt darauf hinweisen, dass diese Arbeit nicht nötig ist. In diesem Fall sollte kein Scheibenreiniger auf der Rechnung auftauchen. Und wenn doch, muss der Kunde ihn nicht zahlen.

Schiedsstellen: Hilfe für Werkstattkunden

Wenn es Ärger mit der Werkstatt gibt, ist es natürlich am besten, sich gütlich zu einigen. Klappt das nicht, muss der genervte Kunde nicht gleich den Weg zum Rechtsanwalt und vor Gericht antreten, denn es gibt das Schiedsgerichts-Verfahren. Rund 9000 Streitfälle wurden im  Jahr  2018 bei den deutschlandweit 100  Schiedsstellen bearbeitet, häufigster Beschwerdegrund ist die Rechnungshöhe. Dabei landet nur ein Bruchteil der Beschwerden bei der eigentlichen Schiedskommission. Rund 90 Prozent werden nach der über ein einfaches Formblatt eingereichten Beschwerde zwischen Schiedsstelle, Kunden und dem Kfz-Meisterbetrieb geklärt. Hier gibt es den Schiedsantrag für Werkstattkunden zum Herunterladen, hier den abweichendehn Antrag Streitigkeiten beim Gebrauchtwagenkauf.

Wichtig für den Werkstattkunden: Die Schiedsstellen sind nur für Betriebe zuständig, die Mitglied der Innung sind, erkennbar am blauen Schild mit der Aufschrift „Kraftfahrzeug-Gewerbe“. Außerdem schreiben die Verfahrensordnungen vor, dass die Schiedsstellen „unverzüglich und schriftlich“ angerufen werden müssen. Unverzüglich heißt: Sobald erkennbar ist, dass es nicht zu einer einvernehmlichen Einigung mit der Werkstatt kommt.  Deshalb: Rechtzeitig im Internet ) oder bei der örtlichen Handwerkskammer nach der Anschrift der nächsten Schiedsstelle erkundigen, den Fall und die strittigen Punkte in einem Schreiben schildern, Kopien von Auftragszetteln und Rechnungen beilegen. Wer sicher gehen will, schickt den Brief als Einschreiben mit Rückschein. 

Für die Werkstatt ist der Schiedsspruch bindend

In dem Moment, da die Schiedsstelle angerufen wurde, wird auch die Verjährung aller Ansprüche gehemmt, und zwar für die komplette Dauer des Verfahrens. Der Kunde muss also keine Angst haben, dass er möglicherweise Fristen verpasst, um seine Ansprüche vor Gericht durchsetzen zu können. Dieser Weg bleibt auch nach Ende des Schiedsverfahrens noch offen, wenn der Schiedsspruch nicht zur Zufriedenheit des Kunden ausgefallen ist. Hat die Schiedskommission zu Gunsten des Kunden entschieden, so ist dieser Spruch für die Werkstatt bindend.   

 

Folgen Sie

Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
Klaus Justen
Folgen Sie