Teure Lektion für einen Porsche-Fahrer: Weil er einen Unfallschaden zu spät meldete, durfte die Kaskoversicherung die Zahlung verweigern. Die Frist für die Schadensmeldung: eine Woche.

Sturm und Hagel, ein selbstverschuldeter Unfall: Die meisten Autofahrer schützen sich gegen teure Schäden mit einer Kaskoversicherung. Dreh- und Angelpunkt bei vielen Streitereien zwischen Versicherungsgesellschaften und ihren Kunden ist dabei die Schadensmeldung. Die muss nämlich schnell erfolgen – und sie muss der Wahrheit entsprechen. Tut sie das nicht, liegt eine so genannte Obliegenheitsverletzung vor, der Versicherungsschutz ist weg.

Unfall im Januar, Schadensmeldung im Juni. Zu spät

Diese teure Lektion musste nun ein Porsche-Besitzer lernen: Er meldete einen Unfallschaden erst ein halbes Jahr nach der Reparatur des Autos und bleibt nun auf den Kosten sitzen. Das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 20 U 42/17) schloss klar und eindeutig: „Weiß ein Versicherungsnehmer von seiner Verpflichtung, Schäden bei seiner Kaskoversicherung anzuzeigen und kommt er dieser erst ein halbes Jahr nach einem Unfall nach, so kann die Versicherung die Zahlung verweigern.“

Wie die Deutsche Anwaltshotline  berichtet, meldete der Porsche-Fahrer seiner Kaskoversicherung im Juni 2016 einen Schaden an seinem Wagen. Dieser entstand allerdings bereits sechs Monate zuvor. Schon im Januar 2016 ließ er den Schaden begutachten und für rund 5600 Euro reparieren. Der Verursacher des Unfalls konnte damals trotz hinterlassener (Fake-)Telefonnummer nicht ausgemacht werden.

Die Versicherung stellte sich auf den Standpunkt, sie müsse nicht zahlen. Wegen der verspäteten Schadensmeldung sei sie leistungsfrei.Daraufhin klagte der Porsche-Besitzer und verlangte eine Entschädigung von etwa 5300 Euro – Schaden abzüglich Selbstbehalt.

Vorsätzliche Verletzung der Anzeigepflicht

Schon in der ersten Instanz hatte der Autobesitzer keinen Erfolg, und auch das Oberlandesgericht Hamm als Berufsgericht stellte sich auf die Seite der Versicherung und bestätigte damit die Entscheidung der Vorinstanz. Die Versicherungsbedingungen geben, wie üblich bei Kaskoversicherungen, einen Zeitraum von einer Woche vor, in dem die Assekuranz über ein Schadensereignis informiert werden muss. Der Kläger stritt vor Gericht nicht ab, von seiner Verpflichtung zur Schadensmeldung gewusst zu haben. Ergo konnte die Versicherung wegen „vorsätzlicher Verletzung der Anzeigepflicht“ die Zahlung verweigern.

Ob ein Schädiger durch den Kläger selbst hätte ausgemacht werden können, sei unerheblich. Durch die verspätete Schadensmeldung wurde der Versicherung die Möglichkeit genommen, eigene Ermittlungen anzustellen und den Schaden durch einen von ihr gewählten Sachverständigen begutachten zu lassen, so das Gericht.

Auto gestohlen? Späte Schadensmeldung ist verdächtig

Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Unfallschäden. Wer zum Beispiel nach dem sommerlichen Gewitter feststellt, dass der Hagelschauer Dellen auf dem Dach hinterlassen hat, sollte den Schaden in seiner Werkstatt anschauen lassen und sogleich die Versicherung informieren.

Auch bei einem Diebstahl des Fahrzeugs sollte man sich nicht zuviel Zeit nehmen. So hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen: 20U 157/04) bereits vor Jahren entschieden, dass eine Meldung erst nach elf Tagen den Schluss nahe legt, dass der Besitzer den Diebstahl nur vorgetäuscht hat.

Auch bei anderen Angaben immer bei der Wahrheit bleiben

Weitere Fehler, den Autobesitzer in ihrer Schadensmeldung machen können: Sie bleiben nicht bei der Wahrheit. Wer etwa bei Kilometerleistung, etwaigen Unfall-Vorschäden oder beim Kaufpreis mogelt, sieht keinen müden Cent, wenn der Versicherung der Schwindel auffällt.

Ein kleines Hintertürchen bleibt: Die schnelle Korrektur des Fehlers. Wer aus Versehen eine falsche Laufleistung in der Schadenmeldung eingetragen hat, sollte also nicht darauf vertrauen, dass es vielleicht niemand merkt, sondern schnell die Versicherung informieren. Das rettet den Versicherungsschutz, wenn die Versicherung die Mogelei noch nicht selbst gemerkt – und vor allem noch nicht zu viel bezahlt hat.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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